• Warum High-Impact-Werbung in der KI-Ära wichtiger wird, nicht unwichtiger

    4 minuten

    Zero-Click-Suchen und KI-Antworten verdrängen klassisches SEO. Nicole Kruse, Gründerin von HighVibes Media, erklärt, warum Upper-Funnel-Werbung jetzt zum entscheidenden Rankingfaktor wird.


    Was passiert gerade mit der Google-Suche?

    Die Suche, wie wir sie kannten, ist vorbei. Wer heute bei Google etwas sucht, bekommt häufig gar keine Links mehr sondern eine fertige Antwort direkt auf der Ergebnisseite. Kein Klick nötig.

    Das ist kein Nischenproblem. Das ist Realität: 60–65 % aller Google-Suchen in den USA enden ohne einen einzigen Klick auf eine externe Website. Auf dem Smartphone sind es sogar rund 77 %. (Quelle: SparkToro / Datos, 2024; Up & Social, 2025)

    Googles AI Overviews – die KI-generierten Zusammenfassungen direkt in den Suchergebnissen, erschienen im März 2025 bereits bei 13,14 % aller US-Desktop-Suchanfragen. Das war eine Verdopplung gegenüber Januar 2025. (Quelle: Semrush, März 2025) Und wenn ein AI Overview auftaucht, endet die Suche in 83 % der Fälle ohne Klick auf eine externe Website. (Quelle: BrightEdge / Search Engine Land, 2025)

    Die organischen Klickraten fallen entsprechend: In den USA sank der Anteil organischer Klicks zwischen März 2024 und März 2025 von 44,2 % auf 40,3 %. Im EU/UK-Raum von 47,1 % auf 43,5 %. (Quelle: Search Engine Land / Datos, Juni 2025)

    Für Content-lastiges Marketing und klassisches SEO ist das ein Erdbeben. Für Upper-Funnel-Advertising ist es eine Bestätigung.


    Was bedeuten AEO, GEO und AIO und warum reicht Technik allein nicht aus?

    Die Antwort der SEO-Welt auf diese Entwicklung sind drei neue Disziplinen:

    AEO (Answer Engine Optimization) zielt darauf ab, Inhalte so zu strukturieren, dass KI-Systeme sie als direkte Antworten extrahieren können – etwa in Featured Snippets bei Google oder Bing. Konkret: klare FAQ-Seiten, strukturierte Daten via schema.org, präzise Sprache.

    GEO (Generative Engine Optimization) geht einen Schritt weiter: Hier geht es darum, dass generative KI-Tools wie ChatGPT oder Perplexity eine Marke nicht nur finden, sondern auch aktiv zitieren und in ihre Antworten einbauen. Wer GEO betreibt, gestaltet mit, was die KI über eine Marke erzählt, durch gezieltes Content-Seeding auf vertrauenswürdigen Drittquellen, Fachpublikationen und Experteninterviews.

    AIO (Artificial Intelligence Optimization) ist der übergeordnete Rahmen: Marken-Narrativ, Fakten und Sprache so konsistent und klar aufbereiten, dass Large Language Models (LLMs) die Marke langfristig als relevante, glaubwürdige Quelle einordnen.

    All das ist wichtig. Und dennoch greift es zu kurz – wenn man nur darauf setzt.

    Das Grundproblem: KI-Optimierung funktioniert am besten für Marken, die Menschen bereits kennen. Wenn Nutzerinnen und Nutzer im Dialog mit einer KI gezielt fragen „Vergleich das mal mit Marke X” oder „Was sagt Anbieter Y dazu?” dann umgeht diese Marke den generischen Algorithmus-Wettbewerb komplett. Die Marke wird direkt in die KI-Konversation eingespeist. Von einem echten Menschen.

    Das ist der dritte Weg – und der wirkungsvollste. Aber er setzt voraus, dass Marken vorher im Kopf der Menschen verankert sind.


    Warum überschreiten die meisten Online-Anzeigen keine Wirkungsschwelle?

    85 % aller Online-Ads schaffen es nicht, die 2,5-Sekunden-Aufmerksamkeitsschwelle zu überschreiten – den kritischen Punkt, ab dem eine Marke beginnt, sich ins Gedächtnis einzuschreiben. (Quelle: Amplified Intelligence, 2024)

    Gleichzeitig zeigt die Forschung: Um Brand Consideration messbar zu beeinflussen, braucht es mindestens 9 Sekunden aktiver Aufmerksamkeit. Für Purchase Intent: mindestens 8 Sekunden. (Quelle: Amplified Intelligence, 2024)

    Formate, die unter dieser Schwelle bleiben, und das sind die meisten Standard-Banner und Preroll-Ads, hinterlassen schlicht keinen Eindruck. Kein Recall. Keine Markenverankerung. Kein Effekt auf spätere KI-Dialoge.


    Welche Ergebnisse liefern aufmerksamkeitsoptimierte Kampagnen?

    Laut dem Adelaide Metrics 2025 Outcomes Guide, einer Auswertung von 52 Case Studies über 18 Branchen, erreichten Kampagnen, die auf Attention-Metriken optimiert wurden:

    • +41 % höheren Brand Lift im Upper Funnel
    • +55 % stärkeren Impact im Lower Funnel

    Ein konkretes Beispiel aus dem Report: Eine Airline optimierte ihre Media-Planung konsequent auf Attention-Schwellenwerte – und erzielte +95 % Unaided Awareness für Placements, die diesen Schwellenwert überschritten.

    Eine Studie von Lumen & Ebiquity (Oktober 2024) fand eine nahezu perfekte Korrelation von 0,98 zwischen aufmerksam genutzten Werbeminuten (Attentive Minutes per Thousand Impressions) und inkrementellem Profit über sechs verschiedene Mediatypen hinweg.


    Warum wird Markenbekanntheit zum wichtigsten KI-Rankingfaktor?

    KI-Systeme priorisieren bekannte, vertrauenswürdige Marken in ihren Antworten. Menschen bringen Marken, die sie kennen, proaktiv in KI-Dialoge ein. Und starke Aufmerksamkeitsmomente im Upper Funnel schaffen genau diese Bekanntheit und dieses Vertrauen.

    Das pilot pulse Whitepaper „Die neue Währung: Relevanz” (November 2025) bringt es auf den Punkt: Es geht nicht mehr nur um „Future of Search” – es geht um „Future of Relevance”. Relevanz entsteht im Zusammenspiel: technisch verständlich für die Maschine, emotional überzeugend für den Menschen.

    Wer jetzt auf Upper-Funnel-Investment verzichtet, rüstet sich ab – ausgerechnet in dem Moment, wo Markenbekanntheit zum wichtigsten KI-Rankingfaktor wird.


    Welche Rolle spielen interaktive High-Impact-Formate in der KI-Ära?

    Interaktive High-Impact-Formate sind keine Spielerei. Sie sind das Mittel, das Aufmerksamkeitsschwellen systematisch überschreitet und Marken tief genug im Bewusstsein verankert, damit Menschen sie aktiv in KI-Dialoge einbringen.

    Technische KI-Optimierung (AEO, GEO, AIO) ist die Grundlage. Starke Markenarbeit ist der Multiplikator. Und interaktive, aufmerksamkeitsstarke Formate sind das Werkzeug, das beides verbindet.

    Die Logik dahinter in drei Schritten:

    1. KI-Systeme priorisieren bekannte, vertrauenswürdige Marken in ihren Antworten.
    2. Menschen bringen Marken, die sie kennen, proaktiv in KI-Dialoge ein.
    3. Starke Aufmerksamkeitsmomente im Upper Funnel schaffen genau diese Bekanntheit und dieses Vertrauen.

    Fazit: Nicht weniger Branding. Mehr.

    Die Zero-Click-Welt macht Upper-Funnel-Investitionen nicht obsolet – sie macht sie zur strategischen Grundlage für Sichtbarkeit in der KI-Ära.

    Wer heute nicht in Köpfen ist, ist morgen nicht in der KI.


    FAQ: Häufige Fragen zu High-Impact-Werbung und KI-Sichtbarkeit

    Was sind Zero-Click-Suchen?

    Zero-Click-Suchen sind Google-Suchanfragen, die direkt auf der Ergebnisseite beantwortet werden – ohne dass der Nutzer auf eine externe Website klickt. Der Anteil liegt 2025 bei 60–65 % aller US-Suchen, auf Mobilgeräten bei rund 77 %.

    Was ist GEO, Generative Engine Optimization?

    GEO bezeichnet die Optimierung von Inhalten dafür, von generativen KI-Tools wie ChatGPT oder Perplexity als Quelle zitiert zu werden. Anders als klassisches SEO geht es dabei nicht um ein Ranking, sondern darum, in KI-generierten Antworten präsent zu sein.

    Warum sind High-Impact-Formate für die KI-Sichtbarkeit relevant?

    Weil KI-Systeme keine unbekannten Marken bevorzugen. Marken, die Menschen bereits kennen, werden häufiger aktiv in KI-Dialoge eingebracht – und so zum Teil der Antwort. High-Impact-Formate schaffen die dafür notwendige Markenverankerung im Gedächtnis der Zielgruppe.

    Ab wann beginnt eine Werbeanzeige, Markengedächtnis aufzubauen?

    Laut Amplified Intelligence braucht es mindestens 2,5 Sekunden aktiver Aufmerksamkeit, damit eine Marke beginnt, sich einzuprägen. Für messbare Effekte auf Consideration oder Purchase Intent sind 8–9 Sekunden erforderlich. 85 % aller Online-Ads erreichen diese Schwelle nicht.


    Autorin: Nicole Kruse ist Gründerin von HighVibes Media, einem Anbieter für interaktive High-Impact-Werbeformate im Upper und Middle Funnel. Sie begleitet Werbetreibende dabei, Markenbekanntheit in der KI-Ära strategisch aufzubauen, mit dem Fokus auf aufmerksamkeitsstarke Formate, die Marken nachhaltig im Gedächtnis verankern.


    Quellen:

    • SparkToro / Datos (2024): Zero-Click Search Study
    • Up & Social (2025): Zero-Click Trend Analysis
    • Semrush (März 2025): AI Overviews Impact on Search
    • Search Engine Land / Datos (Juni 2025): State of Search Q1 2025 – Zero-click searches up, organic clicks down
    • BrightEdge / Search Engine Land (2025): AI Overview CTR data
    • Amplified Intelligence (2024): Attention threshold research
    • Adelaide Metrics (2025): 2025 Outcomes Guide – 52 Case Studies
    • Lumen & Ebiquity (Oktober 2024): Attentive Minutes and Incremental Profit Study
    • pilot pulse (November 2025): „Die neue Währung: Relevanz. Eine Einordnung von AEO, GEO, AIO und der Renaissance der Marke”

  • Warum gute Werbung Menschen verstehen muss 

    4 minuten

    Wie Empathie & Psychologie bessere Markenkommunikation schaffen 

    1. Menschen sind ambivalent, komplex und emotional – Werbung muss das verstehen, statt nur zu automatisieren 

    Menschen sind keine Datensätze. Sie handeln widersprüchlich, fühlen ambivalent und treffen Entscheidungen selten rein rational. 
    Studien aus der Wirtschaftspsychologie zeigen, dass erfolgreiche Werbung genau das anerkennt – und nicht versucht, menschliches Verhalten in lineare Modelle zu pressen. 

    Beispielsweise belegen Otamendi & Sutil Martín (The Emotional Effectiveness of Advertisement, 2020), dass emotionale Resonanz entscheidender für Markenerinnerung ist als rein kognitive Reize. 
    Emotionen wirken auf einer tieferen Ebene – sie schaffen Bindung, Vertrauen und Motivation. 

    Automatisierte Systeme erkennen zwar Muster, aber sie verstehen keine Motive
    Werbung, die den Menschen hinter den Daten begreift, ist nachhaltiger – weil sie auf psychologische Wahrheit statt auf statistische Wahrscheinlichkeit setzt. 

    Verstehe die unbewussten Kaufmotive – Psychologie ist mächtiger als jede KPI. 

    2. Die Ambivalenz des Menschen – zwischen Sicherheit und Abenteuer 

    Werbung muss Widersprüche erkennen und kreativ nutzen 

    Menschen wollen beides: Sicherheit und Abenteuer, Zugehörigkeit und Individualität. 
    Marken, die diese Gegensätze verstehen, können Relevanz und emotionale Tiefe zugleich erzeugen. 

    Eine Studie aus der Trends in Psychology (2025) zeigt, dass Jugendliche Marken nutzen, um sich individuell auszudrücken – und gleichzeitig soziale Zugehörigkeit zu erleben. 
    Diese „Ambivalenz der Identität“ ist keine Schwäche, sondern eine Chance: Werbung darf Spannungen zeigen, statt sie zu glätten. 

    Raimondo et al. (Consumers’ identity signaling towards social groups, Psychology & Marketing) untersuchten, wie das Bedürfnis, sich von bestimmten Gruppen abzugrenzen, und gleichzeitig das Bedürfnis nach Zugehörigkeit das Konsumentenverhalten beeinflusst. 
    Marken, die diese Spannung verstehen, können beide Seiten des Menschen ansprechen – und dadurch stärkere Markenbindung erzeugen. 

    → Werbung, die Gegensätze zulässt, wirkt glaubwürdiger und emotionaler. 

    Ohne psychologisches Verständnis bleibt Werbung oberflächlich 

    Technik kann Kampagnen skalieren, aber nur psychologische Empathie kann sie bedeutsam machen. 
    Wer den Widerspruch zwischen Nähe und Distanz, Gewohnheit und Neugier spürt, trifft das Herz der Marke – und das Herz der Zielgruppe. 

    3. Werbung als menschliche Kommunikation 

    Werbung ist kein technischer Prozess, sondern ein Dialog mit echten Menschen 

    Werbung ist mehr als Reichweite, Klicks und Algorithmen – Sie ist Beziehungskommunikation. Gute Werbung spricht mit Menschen, nicht zu ihnen. 
    Kommunikationsmodelle wie das Dialogic Communication Model for Advertising (Karimova et al.) zeigen, dass Markenkommunikation dann wirkt, wenn Botschaften dialogisch sind – also Offenheit, Empathie und Resonanz erzeugen. 

    In der Praxis bedeutet das: 

    • Werbung sollte weniger Monolog und mehr Gespräch sein. 
    • Marken müssen zuhören, reagieren und kontextsensibel kommunizieren. 
    • Emotionen, Tonalität und Timing sind genauso wichtig wie Zielgruppenlogik. 

    Gute Werbung fühlt sich an wie ein Gespräch 

    Wenn Werbung nur wie ein Output aus der Maschine klingt – das hundertste Standardbanner oder generische AI-Content – verliert sie an Glaubwürdigkeit. 
    Ein Algorithmus kann Inhalte optimieren, aber keine Beziehung aufbauen. 

    Erfolgreiche Kampagnen schaffen Nähe, weil sie sich menschlich anfühlen: 
    Sie haben einen Ton, eine Haltung und manchmal sogar eine Verletzlichkeit. 
    Sie spiegeln echte Emotionen – und das erzeugt Vertrauen. 

    Kurz gesagt: 
    Menschen reagieren nicht auf Werbung. Sie reagieren auf Menschen, Motive und Emotionen in der Werbung. 

    4. Was bedeutet das für die Praxis? 

    AI kann deine Kampagnen optimieren – aber ohne tiefes Verständnis für Menschen verstärkst du nur mittelmäßige Erkenntnisse. 

    Künstliche Intelligenz ist ein mächtiges Werkzeug: Sie kann A/B-Tests automatisieren, Segmente verfeinern und Timing perfektionieren. 
    Aber ohne menschliches Einfühlungsvermögen werden KI-Modelle zu reinen Verstärkern von Durchschnittlichkeit. 

    Wenn die Grundlage schwache, oberflächliche Daten sind, dann optimiert AI genau das – Mittelmaß. 
    Psychologische Tiefe entsteht nicht aus Dashboards, sondern aus Verstehen

    Früher gingen Werber zu den Menschen. Sie beobachteten ihren Alltag, hörten zu, was sie bewegte und wie Produkte tatsächlich genutzt wurden – daraus entstanden Erkenntnisse. 
    Heute starren viele nur auf Dashboards und KPIs. Doch in Zahlen steckt kein Leben, kein Lachen, kein Schmerz – nur Muster. 

    AI kann Prozesse verfeinern. 
    Aber die Essenz muss von Menschen kommen, die Menschen verstehen

    Kreative Konzepte brauchen psychologisches Fundament 

    • Zielgruppentiefenverständnis: Motive, Ängste, Werte, Widersprüche erkennen 
    • Motivanalyse & emotionale Landkarte: Sicherheit vs. Risiko, Nähe vs. Freiheit, Konformität vs. Individualität 
    • Narrative & Storytelling: Geschichten, in denen sich Menschen selbst wiederfinden – mit all ihren Spannungen 
    • Verbindung von Daten & Intuition: Daten zeigen, was Menschen tun; Psychologie erklärt, warum 

    5. Fazit 

    Technologie verändert Werbung – aber sie ersetzt kein Verständnis für Menschen. 
    Wer nur misst, statt zuzuhören, verpasst, was Marken wirklich groß macht: Nähe, Bedeutung, Resonanz. 

    Gute Werbung ist kein Algorithmus, sondern Empathie in Aktion. 
    Sie versteht Ambivalenz nicht als Problem, sondern als Wahrheit menschlicher Natur. 
    Sie verbindet Daten mit Gefühl – und Technik mit Haltung. 

    Nur wenn wir wieder Menschen sehen, wird Werbung wirklich wirken. 

    Quellen